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Oct, 2013 Blog Posts

Wenn der Schmerz den Alltag bestimmt

Oct 07, 2013

(Erfurt) Anträge auf Erwerbsminderungsrente oder Schwerbehinderung werden oft abschlägig beschieden, wenn bei der Begutachtung geäußerte subjektive Beschwerden (Schmerzen) nicht in der kritischen Zusammenschau von Anamnesegespräch, Untersuchungsbefunden, Verhaltensbeobachtung und Aktenlage bestätigt werden können. Mit Urteil vom 24.April 2012 (Az.: L 6 R 1227/11) gab das Landessozialgericht Thüringen einer Berufungsklage des Rententrägers statt, womit dieser die Entscheidung des Sozialgerichts Meiningen – Rente wegen voller Erwerbsminderung - erfolgreich angefochten hatte.
Die Klägerin leidet seit Jahren an massiven Verschleiß- Erkrankungen der Wirbelsäule, Kopfschmerzsymptomatik und Gesichtsfeldeinschränkungen. Das ophthalmologische Gutachten führte aus, dass die Sehstörungen mit Gesichtsfeldeinschränkungen zu keiner wesentlichen Leistungseinschränkung führen. Für die Hals- und Lendenwirbelsäule konnten im Rahmen der neurologisch-psychiatrischen Begutachtung keine Stenosen (Verengungen) des Spinalkanals oder Reizungen der Nervenwurzeln nachgewiesen werden.
Bei der Auswertung des Deutschen Schmerzfragebogens (DSG) gab es Diskrepanzen zwischen dem angegebenen Defizit an Lebensfreude und dem tatsächlichen Freizeitverhalten, welches durch einen kürzlich erlebten Mallorca-Urlaub und das regelmäßige Ansehen von Fussballspielen gekennzeichnet war. Die testpsychologische Untersuchung hinterliess Fragen bezüglich einer reduzierten Anstrengungsbereitschaft und begründete den Verdacht auf negative Antwortverzerrung. Im Rahmen der so genannten „Konsistenzprüfung“ müssen Aktenlage, bei der Begutachtung erhobene Befunde und die geklagten Beschwerden weitgehend übereinstimmen.

Fazit:

Der für die Klägerin ungünstige Verfahrensausgang zeigt erneut, wie wichtig es bei chronifizierten Schmerzerkrankungen ist, sich nicht nur vom Hausarzt, sondern auch rechtzeitig von einem Schmerztherapeuten behandeln zu lassen. Bei somatoformen Schmerzstörungen sollte sich der Patient auch langfristig um eine ambulante Psychotherapie bemühen, damit nicht allein die „Momentaufnahme“ einer dreistündigen Begutachtung prägend für die Gesamtbeurteilung ist.

Roswitha Waterstradt
Fachanwältin für Sozialrecht



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